Sektion 1
Die Hälfte der Selbstständigen arbeitet solo.
Solo-Selbstständige sind keine Nische. Sie sind ein großer Teil der Selbstständigkeit in Deutschland. Gerade deshalb darf Politik sie nicht erst dann sehen, wenn Krisenprogramme aufgelegt werden.
2024 gab es in Deutschland rund 3,6 Millionen Selbstständige.
Rund 1,8 Millionen davon hatten keine Beschäftigten.
Damit waren rund 50,6 % der Selbstständigen solo tätig.
Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024
Definition
Was sind Solo-Selbstständige?
Solo-Selbstständige sind Selbstständige ohne eigene Beschäftigte. Das bedeutet nicht automatisch Kleinheit der Leistung. Es bedeutet aber: Ausfall, Akquise, Verwaltung, Risiko und soziale Absicherung hängen besonders stark an einer einzelnen Person.
Solo-Selbstständigkeit ist ein Strukturthema des Arbeitsmarkts
Viele arbeiten selbstständig, weil sie gründen, gestalten, beraten, liefern, pflegen, programmieren oder Projekte möglich machen. Andere landen in Selbstständigkeit, weil Arbeit ausgelagert wird, Subunternehmerketten entstehen oder Plattformen Verantwortung abwälzen.
Solo-Selbstständigkeit ist nicht immer die romantische Geschichte vom eigenen Büro, der eigenen Idee und völliger Freiheit. In vielen Branchen entsteht sie auch durch Auslagerung, Subunternehmerketten, Plattformlogiken oder wirtschaftlichen Druck.
Paketdienste, Lieferdienste, Bau, Pflege, haushaltsnahe Dienstleistungen, Bildung, Beratung, Medien, IT und viele freie Berufe zeigen: Zwischen echter Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung gibt es eine große Grauzone.
Genau dort braucht es Politik. Nicht, um Selbstständigkeit zu verhindern. Sondern um echte Selbstständigkeit zu schützen. Und Scheinselbstständigkeit, Lohndumping und Risikoabwälzung klar zu begrenzen.
Untersektion
Die großen Zahlen
3,6 Mio.
Selbstständige in Deutschland
2024 waren in Deutschland rund 3,6 Millionen Menschen im Haupterwerb selbstständig. Selbstständigkeit ist damit kein Randthema, sondern Teil der wirtschaftlichen Normalität.
Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024
1,8 Mio.
Solo-Selbstständige
Rund 1,8 Millionen Selbstständige hatten 2024 keine eigenen Beschäftigten. Das entspricht etwa der Hälfte aller Selbstständigen.
Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024
50,6 %
arbeiten ohne Beschäftigte
Mehr als jede:r zweite Selbstständige arbeitet solo. Das bedeutet: Akquise, Verwaltung, Risiko, Krankheit, Vorsorge und Auftragsausfall hängen oft an einer einzelnen Person.
Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024
8,4 %
Selbstständigenquote
Die Selbstständigenquote lag 2024 in Deutschland bei rund 8,4 Prozent. Wer Arbeitsmarktpolitik macht, muss diese Erwerbsform systematisch mitdenken.
Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024
Untersektion
Ein Auftraggeber ist noch kein echter Markt
Besonders politisch relevant ist die Gruppe der Selbstständigen mit nur einem Auftraggeber. Denn hier wird sichtbar, wie nah formale Selbstständigkeit und wirtschaftliche Abhängigkeit beieinanderliegen können.
234.000
Selbstständige mit nur einem Auftraggeber
2024 hatten rund 234.000 Selbstständige in Deutschland nur einen einzigen Auftraggeber. Das ist ein Hinweis auf besondere wirtschaftliche Abhängigkeit.
Quelle: Destatis, Qualität der Arbeit: Selbstständige mit einem Auftraggeber, 2024
6,7 %
aller Selbstständigen
6,7 Prozent aller Selbstständigen arbeiteten 2024 nur für einen Auftraggeber. Ein einziger Auftraggeber bedeutet oft weniger Verhandlungsmacht und ein höheres Ausfallrisiko.
Quelle: Destatis, Qualität der Arbeit: Selbstständige mit einem Auftraggeber, 2024
65,7 %
davon Solo-Selbstständige
Fast zwei Drittel der Selbstständigen mit nur einem Auftraggeber waren Solo-Selbstständige. Gerade hier braucht es einen genauen Blick auf faire Verträge, Scheinselbstständigkeit und soziale Absicherung.
Quelle: Destatis, Qualität der Arbeit: Selbstständige mit einem Auftraggeber, 2024
Ein Auftraggeber kann echte Spezialisierung bedeuten. Er kann aber auch bedeuten: keine echte Marktmacht, kaum Verhandlungsspielraum, hohe Abhängigkeit und das Risiko, dass Beschäftigungsverantwortung ausgelagert wird.
Untersektion
Umsatz ist nicht Einkommen
Viele Debatten über Selbstständigkeit verwechseln Umsatz mit Einkommen. Gerade Solo-Selbstständige müssen aus ihrem Umsatz Betriebskosten, Versicherungen, Steuern, Altersvorsorge, Krankheitsrisiken, Weiterbildung, Ausfallzeiten und unbezahlte Akquise finanzieren.
62 %
unter 50.000 € Jahresumsatz
62 Prozent der Solo-Selbstständigen erzielen aus ihrer selbstständigen Haupttätigkeit weniger als 50.000 Euro Jahresumsatz. Das ist vor Kosten, Steuern, Versicherungen und Vorsorge.
Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen
rund 25 %
in unteren sozialen Lagen
Rund ein Viertel der Selbstständigen befindet sich laut BMAS-Studie in den unteren sozialen Lagen: Armut, Prekarität oder untere Mitte. Selbstständigkeit bedeutet also nicht automatisch Wohlstand.
Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen
14,3 %
armutsgefährdet
14,3 Prozent der Selbstständigen sind nach Haushaltseinkommen armutsgefährdet. Ein Teil der Selbstständigen arbeitet wirtschaftlich aktiv und bleibt dennoch sozial verletzlich.
Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen
jede:r Zehnte
ohne Schutz bei Einkommensausfall
Jede:r zehnte Selbstständige ist gar nicht gegen Einkommens- oder Arbeitsausfall abgesichert. Krankheit, Auftragsverlust oder eine Plattform-Sperrung können damit unmittelbar existenzbedrohend werden.
Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen
Untersektion
Paketfahrer, Lieferdienste und Subunternehmerketten
Die Paketbranche zeigt besonders deutlich, wie moderne Arbeit über Subunternehmerketten organisiert werden kann. Nicht alle Fahrer:innen sind selbstständig. Aber die politische Debatte um die Branche zeigt, warum Verantwortung am Ende der Auftragskette nicht verschwinden darf.
4,29 Mrd.
Paketsendungen pro Jahr
2024 wurden im deutschen Kurier-, Express- und Paketmarkt rund 4,29 Milliarden Sendungen transportiert. Hinter jedem Paket stehen Arbeitsbedingungen, Zeitdruck, Auftraggeberketten und Verantwortung.
Quelle: BPEX / KEP-Studie 2025
27,6 Mrd. €
Umsatz der KEP-Branche
Die Kurier-, Express- und Paketbranche erzielte 2024 rund 27,6 Milliarden Euro Umsatz. Die Branche ist wirtschaftlich groß – und arbeitsmarktpolitisch hoch relevant.
Quelle: BPEX / KEP-Studie 2025
266.300
Beschäftigte in der Paketbranche
2024 arbeiteten rund 266.300 Menschen in der KEP-Branche. Die Debatte um Subunternehmerketten zeigt: Wirtschaftliche Verantwortung endet nicht beim ersten Auftrag.
Quelle: BPEX / KEP-Studie 2025
Paketboten-Schutzgesetz
Nachunternehmerhaftung
Der Bund hat die Nachunternehmerhaftung auf die Paketbranche ausgeweitet. Hintergrund waren politische Debatten über Schwarzlohn, Sozialversicherungsbetrug und Scheinselbstständigkeit.
Die Paketbranche ist ein Beispiel dafür, dass Selbstständigkeit, Subunternehmertum und ausgelagerte Beschäftigungsverantwortung nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Wer am Anfang der Kette beauftragt, trägt Mitverantwortung für das, was am Ende der Kette passiert.
Untersektion
Plattformarbeit: selbstständig, aber algorithmisch gesteuert
Digitale Plattformarbeit verändert Selbstständigkeit. Formal selbstständig zu sein bedeutet nicht automatisch, frei über Preise, Sichtbarkeit, Aufträge oder Arbeitsbedingungen entscheiden zu können. Plattformen können über Algorithmen, Bewertungen, Sperrungen und Auftragszuteilung erheblichen Druck ausüben.
2,4–3,6 %
der Selbstständigen
Laut BMAS-Studie arbeiteten 2,4 bis 3,6 Prozent der Selbstständigen in ihrer Haupttätigkeit über digitale Arbeitsplattformen.
Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen
2,8–4,7 %
inklusive Nebentätigkeiten
Wenn auch Nebentätigkeiten einbezogen werden, liegt der Anteil der Selbstständigen mit Plattformarbeit bei 2,8 bis 4,7 Prozent.
Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen
über 28 Mio.
Plattformarbeiter:innen in Europa
In Europa arbeiten laut EU mehr als 28 Millionen Menschen über digitale Arbeitsplattformen. Die EU hat deshalb eigene Regeln beschlossen, um Scheinselbstständigkeit im Plattformbereich zu bekämpfen.
Wer Preise, Sichtbarkeit und Auftragszugang algorithmisch steuert, darf Verantwortung nicht auslagern. Plattformarbeit braucht Transparenz, faire Regeln und Schutz vor Scheinselbstständigkeit.
Untersektion
Pflege, Betreuung und haushaltsnahe Dienstleistungen
Auch in Pflege, Betreuung und haushaltsnahen Dienstleistungen gibt es Formen selbstständiger Arbeit, bei denen die Abgrenzung zwischen Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung politisch besonders heikel ist. In der sogenannten Live-in-Betreuung oder 24-Stunden-Betreuung wird seit Jahren über Scheinselbstständigkeit, Arbeitsbedingungen und rechtliche Grauzonen diskutiert.
Rechtlicher Hinweis
Selbstständigkeit in der Betreuung ist rechtlich umstritten
Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass die rechtliche Lage selbstständiger Betreuungskräfte in der häuslichen Betreuung umstritten ist. Besonders relevant sind Fragen von Weisungsabhängigkeit, Arbeitszeiten, Vermittlungsmodellen und Scheinselbstständigkeit.
Bundesgesundheitsministerium: Häusliche 24h-Betreuung durch SelbstständigeDas zeigt: Die Debatte über Solo-Selbstständigkeit betrifft nicht nur Kreative, Coaches oder IT-Freelancer. Sie betrifft auch Sorgearbeit, Migration, Privathaushalte und soziale Infrastruktur.
Untersektion
Freie Berufe insgesamt
Freiberufler:innen sind ein zentraler Teil der selbstständigen Wirtschaft: Heilberufe, rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe, technische und naturwissenschaftliche Berufe, Kulturberufe, Bildung, Sprache, Gestaltung, Medien und viele weitere Tätigkeiten.
1,492 Mio.
selbstständige Freiberufler:innen
In Deutschland gibt es rund 1,492 Millionen selbstständige Freiberufler:innen. Sie sind ein wesentlicher Teil von Mittelstand, Versorgung, Beratung, Innovation und Dienstleistungen.
Quelle: BMWE / Freie Berufe; IfM Bonn
6,28 Mio.
Erwerbstätige im Bereich Freie Berufe
Insgesamt arbeiten rund 6,28 Millionen Menschen im Bereich der Freien Berufe, einschließlich Beschäftigter und Auszubildender.
Quelle: BMWE / Freie Berufe
ca. 10 %
Anteil am Bruttoinlandsprodukt
Die Freien Berufe tragen rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das ist wirtschaftspolitisch erheblich.
Quelle: BMWE / Freie Berufe
110.000
freiberufliche Existenzgründungen
2025 gab es rund 110.000 freiberufliche Existenzgründungen. Gründungspolitik muss deshalb auch freie Berufe und Solo-Strukturen mitdenken.
Was daraus politisch folgt
Das Problem ist nicht Selbstständigkeit. Das Problem ist politische Blindheit.
Selbstständigkeit ist wertvoll. Sie ermöglicht Gründungen, Innovation, flexible Dienstleistungen, kreative Arbeit, Beratung, Versorgung und neue Geschäftsmodelle. Aber sie darf nicht als Instrument missbraucht werden, um Schutzrechte, Arbeitgeberpflichten oder unternehmerische Verantwortung auszulagern.
01
Selbstständigkeit darf nicht als Ausrede für Risikoabwälzung missbraucht werden.
Wer Arbeit auslagert, darf Verantwortung nicht auslagern.
02
Echte Selbstständigkeit braucht Schutz vor Scheinselbstständigkeit.
Klare Regeln schützen nicht nur Beschäftigte, sondern auch seriöse Selbstständige und faire Unternehmen.
03
Ein-Auftraggeber-Selbstständigkeit muss genauer betrachtet werden.
Ein einzelner Auftraggeber kann wirtschaftliche Abhängigkeit bedeuten. Politik braucht hier bessere Daten und praxistaugliche Abgrenzungen.
04
Subunternehmerketten brauchen klare Verantwortung.
Besonders in Paketlogistik, Bau, Reinigung und Dienstleistungen muss Verantwortung entlang der gesamten Auftragskette sichtbar bleiben.
05
Plattformarbeit braucht transparente Regeln.
Algorithmische Steuerung darf nicht zur unsichtbaren Weisung werden.
06
Solo-Selbstständige brauchen soziale Sicherung, die zu schwankenden Einkommen passt.
Beiträge, Mindestbemessungen, Krankheitsrisiken und Altersvorsorge müssen zur Realität selbstständiger Erwerbsverläufe passen.
07
Öffentliche Auftraggeber müssen Vorbild sein.
Faire Honorare, faire Fristen, transparente Vergabe und realistische Vertragsbedingungen müssen bei der öffentlichen Hand beginnen.
08
Die Datenlage muss besser werden.
Viele Gruppen selbstständiger Arbeit sind statistisch kaum sichtbar. Wer nicht gezählt wird, wird politisch zu leicht übergangen.
Das Problem ist nicht Selbstständigkeit.
Das Problem ist eine Politik, die echte Selbstständigkeit, abhängige Selbstständigkeit und ausgelagertes Beschäftigungsrisiko zu oft in denselben Topf wirft.
In der Kultur ist
Selbstständigkeit Normalität.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft zeigt besonders deutlich, worum es bei „Ich bin die Wirtschaft!“ geht: viele Solo-Selbstständige, viele Freiberufler:innen, viele kleine Unternehmen – und ein Wirtschaftsbereich, der politisch noch immer zu oft nur als Kulturthema behandelt wird.
In Kulturberufen ist Selbstständigkeit kein Sonderfall. Sie gehört zur Realität der Branche. Genau deshalb ist die Kultur- und Kreativwirtschaft ein wichtiger Schwerpunkt dieser Kampagne: Hier werden die Chancen, Risiken und politischen Leerstellen selbstständiger Arbeit besonders sichtbar.
1,3 Mio.
Menschen in Kulturberufen
2024 waren in Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen in Kulturberufen tätig. Kultur ist damit nicht nur Ausdruck, sondern Arbeit, Wertschöpfung und Erwerbsrealität.
Quelle: Destatis, 1,3 Millionen Erwerbstätige in Kulturberufen im Jahr 2024, 21. Januar 202633 %
Selbstständigenquote
Rund ein Drittel der Erwerbstätigen in Kulturberufen war 2024 selbstständig. Das liegt weit über dem Durchschnitt aller Berufe.
Quelle: Destatis, 1,3 Millionen Erwerbstätige in Kulturberufen im Jahr 2024, 21. Januar 2026fast 4×
höher als im Durchschnitt
In Kulturberufen ist die Selbstständigenquote fast viermal so hoch wie im Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Deshalb ist diese Branche für die Kampagne ein besonders wichtiger Referenzbereich.
Quelle: Destatis, 1,3 Millionen Erwerbstätige in Kulturberufen im Jahr 2024, 21. Januar 2026ca. 205 Mrd. €
Umsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft
Die deutsche Kultur- und Kreativwirtschaft erzielte 2023 rund 205 Milliarden Euro Umsatz. Das ist Wirtschaftskraft – nicht Begleitprogramm.
Quelle: BMWE, Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2024Warum dieser Bereich hier besonders wichtig ist
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Brennglas für die Realität vieler Solo-Selbstständiger: projektbasiertes Arbeiten, schwankende Einkommen, kurze Auftragsketten, hohe Eigenverantwortung, geringe soziale Absicherung und oft wenig politische Sichtbarkeit. Wer diese Branche versteht, versteht viele Probleme moderner selbstständiger Arbeit insgesamt.
Kreative Arbeit ist Wirtschaft. Und sie braucht Rahmenbedingungen, die zu ihrer Realität passen.
Verband der Kultur- und Kreativwirtschaft
KulturGilde
Kreative Arbeit ist Wirtschaft. Und sie braucht Verbindung.
Die KulturGilde ist Verband, Vernetzungs- und Projektplattform der Kultur- und Kreativwirtschaft. Sie vertritt Kreative, Kulturschaffende, Freiberufler:innen, Solo-Selbstständige, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Kreativnetze – mit politischer Arbeit, Pressearbeit, Projekten und starken Verbindungen zwischen Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.
Als dedizierte Vertretung für Solo-Selbstständige und Freiberufler:innen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft ist Wirtschaftspolitik – und die KulturGilde bündelt Erfahrungen, Positionen und politische Anliegen aus einer Branche, in der selbstständige Arbeit besonders stark verbreitet ist.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein besonders deutliches Beispiel. Aber die politische Aufgabe ist größer: Selbstständige Arbeit muss in allen Branchen sichtbar, fair und sozial tragfähig gestaltet werden.
Sektion 3
Wirtschaftskraft ja. Sicherheit oft nein.
Viele Selbstständige leisten wirtschaftlich viel, tragen aber Risiken allein: Krankheit, Auftragsausfall, Altersvorsorge, schwankende Einnahmen, Bürokratie, Nachweispflichten, Zahlungsziele und Förderlogiken, die häufig nicht zu kleinen Strukturen passen.
Was sichtbar ist
Was oft unsichtbar bleibt
Sektion 6
Die Künstlersozialkasse zeigt: Für kreative Selbstständige braucht es eigene Lösungen.
Die Künstlersozialversicherung ist ein Beispiel dafür, dass Politik die besondere Lage selbstständiger Künstler:innen und Publizist:innen grundsätzlich anerkennt. Aber sie erreicht nicht alle Solo-Selbstständigen und löst nicht alle Probleme der Kultur- und Kreativwirtschaft.
183.383
aktiv Versicherte
Zum 01.01.2026 waren 183.383 Künstler:innen und Publizist:innen aktiv über die KSK versichert.
Quelle: KSK in Zahlen, Stand 2026
21.336 €
Ø Jahreseinkommen
Das durchschnittliche Jahreseinkommen der aktiv Versicherten lag zum 01.01.2026 bei 21.336 Euro.
Quelle: KSK in Zahlen, Stand 2026
50/30/20
Finanzierungsprinzip
Versicherte tragen etwa 50 %, Verwerter über die Künstlersozialabgabe 30 %, der Bund 20 %.
Quelle: KSK in Zahlen, Stand 2026
Sektion 7
Bayern ist stark. Aber Stärke ersetzt keine Politik.
Bayern ist ein starker Standort der Kultur- und Kreativwirtschaft. Genau deshalb darf die Branche nicht nur als Imagefaktor, Standortdeko oder Eventkulisse behandelt werden. Sie braucht Wirtschaftspolitik: faire Vergabe, bessere Daten, einfachere Förderzugänge, Räume, soziale Absicherung und ernsthafte Beteiligung.
Bayern
44,4 Mrd. € Umsatz
und circa 345.000 Erwerbstätige in der bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaft.
Quelle: Dritter Bayerischer Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht
Mittelfranken
Der Pilotstandort der Kampagne.
Die Kampagne startet als Pilot in Mittelfranken. Hier werden Erfahrungen gesammelt, politische Gespräche vorbereitet und konkrete Probleme aus der Praxis sichtbar gemacht.
Sektion 8
Aus Zahlen werden Aufgaben.
01
Selbstständige mitdenken
Gesetze und Reformen müssen prüfen, wie sie sich auf Solo-Selbstständige, Freiberufler:innen und kleine Unternehmen auswirken.
02
Faire Honorare und Zahlungsziele
Öffentliche Auftraggeber und große Institutionen müssen Vorbild bei fairen Zahlungsfristen, realistischen Honoraren und transparenten Vergaben sein.
03
Sozialversicherung realistisch gestalten
Beiträge, Mindestbemessungen und Absicherung müssen zur Realität schwankender Einkommen passen.
04
Bürokratie abbauen
Kleine Strukturen dürfen nicht mit Verwaltungslogiken belastet werden, die für große Organisationen geschrieben wurden.
05
Daten verbessern
Wer politische Entscheidungen trifft, braucht bessere Daten zu Solo-Selbstständigen, Freiberufler:innen und kreativen Kleinstunternehmen.
06
Wirtschaftspolitik erweitern
Kultur- und Kreativwirtschaft ist nicht nur Kulturpolitik. Sie gehört in Mittelstands-, Arbeitsmarkt-, Digital-, Innovations- und Standortpolitik.
Transparenz
Quellen und Datenstand
Diese Seite arbeitet mit öffentlich zugänglichen Daten und wird fortlaufend aktualisiert.
Hinter jeder
Zahl steht eine
Erfahrung.
Statistiken zeigen die Größenordnung. Die Kampagne sammelt, was die Zahlen allein nicht zeigen: konkrete Erfahrungen aus der Praxis. Zahlungsziele. Bürokratie. Krankenkassenbeiträge. Altersvorsorge. Auftragslage. Räume. Sichtbarkeit. Vergabe. KSK. Scheinselbstständigkeit. Förderzugänge.