Kampagne · Fakten · Bayern

Zahlen, die zeigen: Wir reden hier über Wirtschaft.

Solo-Selbstständige, Freiberufler:innen und kleine Unternehmen sind kein Randphänomen. Sie sind Teil der wirtschaftlichen Realität dieses Landes. Warum viele Menschen heute aus beruflicher Unsicherheit gründen.

Wer Wirtschaftspolitik macht, muss wissen, wer diese Wirtschaft tatsächlich trägt. Die Kultur- und Kreativwirtschaft zeigt besonders deutlich, worum es geht: viele kleine Einheiten, viele Selbstständige, hohe Wertschöpfung, hohe Flexibilität - aber Rahmenbedingungen, die zu oft an klassischen Normalarbeitsverhältnissen ausgerichtet sind.

Sektion 1

Die Hälfte der Selbstständigen arbeitet solo.

Solo-Selbstständige sind keine Nische. Sie sind ein großer Teil der Selbstständigkeit in Deutschland. Gerade deshalb darf Politik sie nicht erst dann sehen, wenn Krisenprogramme aufgelegt werden.

2024 gab es in Deutschland rund 3,6 Millionen Selbstständige.

Rund 1,8 Millionen davon hatten keine Beschäftigten.

Damit waren rund 50,6 % der Selbstständigen solo tätig.

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024

Definition

Was sind Solo-Selbstständige?

Solo-Selbstständige sind Selbstständige ohne eigene Beschäftigte. Das bedeutet nicht automatisch Kleinheit der Leistung. Es bedeutet aber: Ausfall, Akquise, Verwaltung, Risiko und soziale Absicherung hängen besonders stark an einer einzelnen Person.

Strukturthema Arbeitsmarkt

Solo-Selbstständigkeit ist ein Strukturthema des Arbeitsmarkts

Viele arbeiten selbstständig, weil sie gründen, gestalten, beraten, liefern, pflegen, programmieren oder Projekte möglich machen. Andere landen in Selbstständigkeit, weil Arbeit ausgelagert wird, Subunternehmerketten entstehen oder Plattformen Verantwortung abwälzen.

Solo-Selbstständigkeit ist nicht immer die romantische Geschichte vom eigenen Büro, der eigenen Idee und völliger Freiheit. In vielen Branchen entsteht sie auch durch Auslagerung, Subunternehmerketten, Plattformlogiken oder wirtschaftlichen Druck.

Paketdienste, Lieferdienste, Bau, Pflege, haushaltsnahe Dienstleistungen, Bildung, Beratung, Medien, IT und viele freie Berufe zeigen: Zwischen echter Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung gibt es eine große Grauzone.

Genau dort braucht es Politik. Nicht, um Selbstständigkeit zu verhindern. Sondern um echte Selbstständigkeit zu schützen. Und Scheinselbstständigkeit, Lohndumping und Risikoabwälzung klar zu begrenzen.

Untersektion

Die großen Zahlen

3,6 Mio.

Selbstständige in Deutschland

2024 waren in Deutschland rund 3,6 Millionen Menschen im Haupterwerb selbstständig. Selbstständigkeit ist damit kein Randthema, sondern Teil der wirtschaftlichen Normalität.

Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024

1,8 Mio.

Solo-Selbstständige

Rund 1,8 Millionen Selbstständige hatten 2024 keine eigenen Beschäftigten. Das entspricht etwa der Hälfte aller Selbstständigen.

Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024

50,6 %

arbeiten ohne Beschäftigte

Mehr als jede:r zweite Selbstständige arbeitet solo. Das bedeutet: Akquise, Verwaltung, Risiko, Krankheit, Vorsorge und Auftragsausfall hängen oft an einer einzelnen Person.

Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024

8,4 %

Selbstständigenquote

Die Selbstständigenquote lag 2024 in Deutschland bei rund 8,4 Prozent. Wer Arbeitsmarktpolitik macht, muss diese Erwerbsform systematisch mitdenken.

Quelle: IfM Bonn, Selbstständige/Freie Berufe, Ergebnisse 2024

Untersektion

Ein Auftraggeber ist noch kein echter Markt

Besonders politisch relevant ist die Gruppe der Selbstständigen mit nur einem Auftraggeber. Denn hier wird sichtbar, wie nah formale Selbstständigkeit und wirtschaftliche Abhängigkeit beieinanderliegen können.

234.000

Selbstständige mit nur einem Auftraggeber

2024 hatten rund 234.000 Selbstständige in Deutschland nur einen einzigen Auftraggeber. Das ist ein Hinweis auf besondere wirtschaftliche Abhängigkeit.

Quelle: Destatis, Qualität der Arbeit: Selbstständige mit einem Auftraggeber, 2024

6,7 %

aller Selbstständigen

6,7 Prozent aller Selbstständigen arbeiteten 2024 nur für einen Auftraggeber. Ein einziger Auftraggeber bedeutet oft weniger Verhandlungsmacht und ein höheres Ausfallrisiko.

Quelle: Destatis, Qualität der Arbeit: Selbstständige mit einem Auftraggeber, 2024

65,7 %

davon Solo-Selbstständige

Fast zwei Drittel der Selbstständigen mit nur einem Auftraggeber waren Solo-Selbstständige. Gerade hier braucht es einen genauen Blick auf faire Verträge, Scheinselbstständigkeit und soziale Absicherung.

Quelle: Destatis, Qualität der Arbeit: Selbstständige mit einem Auftraggeber, 2024

Ein Auftraggeber kann echte Spezialisierung bedeuten. Er kann aber auch bedeuten: keine echte Marktmacht, kaum Verhandlungsspielraum, hohe Abhängigkeit und das Risiko, dass Beschäftigungsverantwortung ausgelagert wird.

Untersektion

Umsatz ist nicht Einkommen

Viele Debatten über Selbstständigkeit verwechseln Umsatz mit Einkommen. Gerade Solo-Selbstständige müssen aus ihrem Umsatz Betriebskosten, Versicherungen, Steuern, Altersvorsorge, Krankheitsrisiken, Weiterbildung, Ausfallzeiten und unbezahlte Akquise finanzieren.

62 %

unter 50.000 € Jahresumsatz

62 Prozent der Solo-Selbstständigen erzielen aus ihrer selbstständigen Haupttätigkeit weniger als 50.000 Euro Jahresumsatz. Das ist vor Kosten, Steuern, Versicherungen und Vorsorge.

Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen

rund 25 %

in unteren sozialen Lagen

Rund ein Viertel der Selbstständigen befindet sich laut BMAS-Studie in den unteren sozialen Lagen: Armut, Prekarität oder untere Mitte. Selbstständigkeit bedeutet also nicht automatisch Wohlstand.

Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen

14,3 %

armutsgefährdet

14,3 Prozent der Selbstständigen sind nach Haushaltseinkommen armutsgefährdet. Ein Teil der Selbstständigen arbeitet wirtschaftlich aktiv und bleibt dennoch sozial verletzlich.

Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen

jede:r Zehnte

ohne Schutz bei Einkommensausfall

Jede:r zehnte Selbstständige ist gar nicht gegen Einkommens- oder Arbeitsausfall abgesichert. Krankheit, Auftragsverlust oder eine Plattform-Sperrung können damit unmittelbar existenzbedrohend werden.

Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen

Untersektion

Paketfahrer, Lieferdienste und Subunternehmerketten

Die Paketbranche zeigt besonders deutlich, wie moderne Arbeit über Subunternehmerketten organisiert werden kann. Nicht alle Fahrer:innen sind selbstständig. Aber die politische Debatte um die Branche zeigt, warum Verantwortung am Ende der Auftragskette nicht verschwinden darf.

4,29 Mrd.

Paketsendungen pro Jahr

2024 wurden im deutschen Kurier-, Express- und Paketmarkt rund 4,29 Milliarden Sendungen transportiert. Hinter jedem Paket stehen Arbeitsbedingungen, Zeitdruck, Auftraggeberketten und Verantwortung.

Quelle: BPEX / KEP-Studie 2025

27,6 Mrd. €

Umsatz der KEP-Branche

Die Kurier-, Express- und Paketbranche erzielte 2024 rund 27,6 Milliarden Euro Umsatz. Die Branche ist wirtschaftlich groß – und arbeitsmarktpolitisch hoch relevant.

Quelle: BPEX / KEP-Studie 2025

266.300

Beschäftigte in der Paketbranche

2024 arbeiteten rund 266.300 Menschen in der KEP-Branche. Die Debatte um Subunternehmerketten zeigt: Wirtschaftliche Verantwortung endet nicht beim ersten Auftrag.

Quelle: BPEX / KEP-Studie 2025

Paketboten-Schutzgesetz

Nachunternehmerhaftung

Der Bund hat die Nachunternehmerhaftung auf die Paketbranche ausgeweitet. Hintergrund waren politische Debatten über Schwarzlohn, Sozialversicherungsbetrug und Scheinselbstständigkeit.

Quelle: Bundesregierung / Paketboten-Schutzgesetz

Die Paketbranche ist ein Beispiel dafür, dass Selbstständigkeit, Subunternehmertum und ausgelagerte Beschäftigungsverantwortung nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Wer am Anfang der Kette beauftragt, trägt Mitverantwortung für das, was am Ende der Kette passiert.

Untersektion

Plattformarbeit: selbstständig, aber algorithmisch gesteuert

Digitale Plattformarbeit verändert Selbstständigkeit. Formal selbstständig zu sein bedeutet nicht automatisch, frei über Preise, Sichtbarkeit, Aufträge oder Arbeitsbedingungen entscheiden zu können. Plattformen können über Algorithmen, Bewertungen, Sperrungen und Auftragszuteilung erheblichen Druck ausüben.

2,4–3,6 %

der Selbstständigen

Laut BMAS-Studie arbeiteten 2,4 bis 3,6 Prozent der Selbstständigen in ihrer Haupttätigkeit über digitale Arbeitsplattformen.

Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen

2,8–4,7 %

inklusive Nebentätigkeiten

Wenn auch Nebentätigkeiten einbezogen werden, liegt der Anteil der Selbstständigen mit Plattformarbeit bei 2,8 bis 4,7 Prozent.

Quelle: BMAS / DIW / infas, Soziale Lage von Selbstständigen

über 28 Mio.

Plattformarbeiter:innen in Europa

In Europa arbeiten laut EU mehr als 28 Millionen Menschen über digitale Arbeitsplattformen. Die EU hat deshalb eigene Regeln beschlossen, um Scheinselbstständigkeit im Plattformbereich zu bekämpfen.

Quelle: Rat der EU / EU-Plattformarbeitsrichtlinie

Wer Preise, Sichtbarkeit und Auftragszugang algorithmisch steuert, darf Verantwortung nicht auslagern. Plattformarbeit braucht Transparenz, faire Regeln und Schutz vor Scheinselbstständigkeit.

Untersektion

Pflege, Betreuung und haushaltsnahe Dienstleistungen

Auch in Pflege, Betreuung und haushaltsnahen Dienstleistungen gibt es Formen selbstständiger Arbeit, bei denen die Abgrenzung zwischen Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung politisch besonders heikel ist. In der sogenannten Live-in-Betreuung oder 24-Stunden-Betreuung wird seit Jahren über Scheinselbstständigkeit, Arbeitsbedingungen und rechtliche Grauzonen diskutiert.

Rechtlicher Hinweis

Selbstständigkeit in der Betreuung ist rechtlich umstritten

Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass die rechtliche Lage selbstständiger Betreuungskräfte in der häuslichen Betreuung umstritten ist. Besonders relevant sind Fragen von Weisungsabhängigkeit, Arbeitszeiten, Vermittlungsmodellen und Scheinselbstständigkeit.

Bundesgesundheitsministerium: Häusliche 24h-Betreuung durch Selbstständige

Das zeigt: Die Debatte über Solo-Selbstständigkeit betrifft nicht nur Kreative, Coaches oder IT-Freelancer. Sie betrifft auch Sorgearbeit, Migration, Privathaushalte und soziale Infrastruktur.

Untersektion

Freie Berufe insgesamt

Freiberufler:innen sind ein zentraler Teil der selbstständigen Wirtschaft: Heilberufe, rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe, technische und naturwissenschaftliche Berufe, Kulturberufe, Bildung, Sprache, Gestaltung, Medien und viele weitere Tätigkeiten.

1,492 Mio.

selbstständige Freiberufler:innen

In Deutschland gibt es rund 1,492 Millionen selbstständige Freiberufler:innen. Sie sind ein wesentlicher Teil von Mittelstand, Versorgung, Beratung, Innovation und Dienstleistungen.

Quelle: BMWE / Freie Berufe; IfM Bonn

6,28 Mio.

Erwerbstätige im Bereich Freie Berufe

Insgesamt arbeiten rund 6,28 Millionen Menschen im Bereich der Freien Berufe, einschließlich Beschäftigter und Auszubildender.

Quelle: BMWE / Freie Berufe

ca. 10 %

Anteil am Bruttoinlandsprodukt

Die Freien Berufe tragen rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das ist wirtschaftspolitisch erheblich.

Quelle: BMWE / Freie Berufe

110.000

freiberufliche Existenzgründungen

2025 gab es rund 110.000 freiberufliche Existenzgründungen. Gründungspolitik muss deshalb auch freie Berufe und Solo-Strukturen mitdenken.

Quelle: IfM Bonn / Freiberufliche Existenzgründungen

Was daraus politisch folgt

Das Problem ist nicht Selbstständigkeit. Das Problem ist politische Blindheit.

Selbstständigkeit ist wertvoll. Sie ermöglicht Gründungen, Innovation, flexible Dienstleistungen, kreative Arbeit, Beratung, Versorgung und neue Geschäftsmodelle. Aber sie darf nicht als Instrument missbraucht werden, um Schutzrechte, Arbeitgeberpflichten oder unternehmerische Verantwortung auszulagern.

01

Selbstständigkeit darf nicht als Ausrede für Risikoabwälzung missbraucht werden.

Wer Arbeit auslagert, darf Verantwortung nicht auslagern.

02

Echte Selbstständigkeit braucht Schutz vor Scheinselbstständigkeit.

Klare Regeln schützen nicht nur Beschäftigte, sondern auch seriöse Selbstständige und faire Unternehmen.

03

Ein-Auftraggeber-Selbstständigkeit muss genauer betrachtet werden.

Ein einzelner Auftraggeber kann wirtschaftliche Abhängigkeit bedeuten. Politik braucht hier bessere Daten und praxistaugliche Abgrenzungen.

04

Subunternehmerketten brauchen klare Verantwortung.

Besonders in Paketlogistik, Bau, Reinigung und Dienstleistungen muss Verantwortung entlang der gesamten Auftragskette sichtbar bleiben.

05

Plattformarbeit braucht transparente Regeln.

Algorithmische Steuerung darf nicht zur unsichtbaren Weisung werden.

06

Solo-Selbstständige brauchen soziale Sicherung, die zu schwankenden Einkommen passt.

Beiträge, Mindestbemessungen, Krankheitsrisiken und Altersvorsorge müssen zur Realität selbstständiger Erwerbsverläufe passen.

07

Öffentliche Auftraggeber müssen Vorbild sein.

Faire Honorare, faire Fristen, transparente Vergabe und realistische Vertragsbedingungen müssen bei der öffentlichen Hand beginnen.

08

Die Datenlage muss besser werden.

Viele Gruppen selbstständiger Arbeit sind statistisch kaum sichtbar. Wer nicht gezählt wird, wird politisch zu leicht übergangen.

Das Problem ist nicht Selbstständigkeit.
Das Problem ist eine Politik, die echte Selbstständigkeit, abhängige Selbstständigkeit und ausgelagertes Beschäftigungsrisiko zu oft in denselben Topf wirft.

Spezialbereich · Hier arbeiten besonders viele solo.

In der Kultur ist
Selbstständigkeit Normalität.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft zeigt besonders deutlich, worum es bei „Ich bin die Wirtschaft!“ geht: viele Solo-Selbstständige, viele Freiberufler:innen, viele kleine Unternehmen – und ein Wirtschaftsbereich, der politisch noch immer zu oft nur als Kulturthema behandelt wird.

In Kulturberufen ist Selbstständigkeit kein Sonderfall. Sie gehört zur Realität der Branche. Genau deshalb ist die Kultur- und Kreativwirtschaft ein wichtiger Schwerpunkt dieser Kampagne: Hier werden die Chancen, Risiken und politischen Leerstellen selbstständiger Arbeit besonders sichtbar.

1,3 Mio.

Menschen in Kulturberufen

2024 waren in Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen in Kulturberufen tätig. Kultur ist damit nicht nur Ausdruck, sondern Arbeit, Wertschöpfung und Erwerbsrealität.

Quelle: Destatis, 1,3 Millionen Erwerbstätige in Kulturberufen im Jahr 2024, 21. Januar 2026

33 %

Selbstständigenquote

Rund ein Drittel der Erwerbstätigen in Kulturberufen war 2024 selbstständig. Das liegt weit über dem Durchschnitt aller Berufe.

Quelle: Destatis, 1,3 Millionen Erwerbstätige in Kulturberufen im Jahr 2024, 21. Januar 2026

fast 4×

höher als im Durchschnitt

In Kulturberufen ist die Selbstständigenquote fast viermal so hoch wie im Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Deshalb ist diese Branche für die Kampagne ein besonders wichtiger Referenzbereich.

Quelle: Destatis, 1,3 Millionen Erwerbstätige in Kulturberufen im Jahr 2024, 21. Januar 2026

ca. 205 Mrd. €

Umsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft

Die deutsche Kultur- und Kreativwirtschaft erzielte 2023 rund 205 Milliarden Euro Umsatz. Das ist Wirtschaftskraft – nicht Begleitprogramm.

Quelle: BMWE, Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2024

Warum dieser Bereich hier besonders wichtig ist

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Brennglas für die Realität vieler Solo-Selbstständiger: projektbasiertes Arbeiten, schwankende Einkommen, kurze Auftragsketten, hohe Eigenverantwortung, geringe soziale Absicherung und oft wenig politische Sichtbarkeit. Wer diese Branche versteht, versteht viele Probleme moderner selbstständiger Arbeit insgesamt.

Kreative Arbeit ist Wirtschaft. Und sie braucht Rahmenbedingungen, die zu ihrer Realität passen.

Verband der Kultur- und Kreativwirtschaft

KulturGilde

Kreative Arbeit ist Wirtschaft. Und sie braucht Verbindung.

Die KulturGilde ist Verband, Vernetzungs- und Projektplattform der Kultur- und Kreativwirtschaft. Sie vertritt Kreative, Kulturschaffende, Freiberufler:innen, Solo-Selbstständige, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Kreativnetze – mit politischer Arbeit, Pressearbeit, Projekten und starken Verbindungen zwischen Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.

Als dedizierte Vertretung für Solo-Selbstständige und Freiberufler:innen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft ist Wirtschaftspolitik – und die KulturGilde bündelt Erfahrungen, Positionen und politische Anliegen aus einer Branche, in der selbstständige Arbeit besonders stark verbreitet ist.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein besonders deutliches Beispiel. Aber die politische Aufgabe ist größer: Selbstständige Arbeit muss in allen Branchen sichtbar, fair und sozial tragfähig gestaltet werden.

Sektion 3

Wirtschaftskraft ja. Sicherheit oft nein.

Viele Selbstständige leisten wirtschaftlich viel, tragen aber Risiken allein: Krankheit, Auftragsausfall, Altersvorsorge, schwankende Einnahmen, Bürokratie, Nachweispflichten, Zahlungsziele und Förderlogiken, die häufig nicht zu kleinen Strukturen passen.

Was sichtbar ist

Umsatz
Aufträge
Projekte
Innovation
Veranstaltungen
Beratung
Gestaltung
Digitalisierung
kulturelle Infrastruktur

Was oft unsichtbar bleibt

unbezahlte Akquise
Vorfinanzierung
lange Zahlungsziele
fehlende Lohnfortzahlung
eigene Sozialversicherungsbeiträge
Altersvorsorgelücken
unsichere Projektketten
Bürokratiekosten

Sektion 6

Die Künstlersozialkasse zeigt: Für kreative Selbstständige braucht es eigene Lösungen.

Die Künstlersozialversicherung ist ein Beispiel dafür, dass Politik die besondere Lage selbstständiger Künstler:innen und Publizist:innen grundsätzlich anerkennt. Aber sie erreicht nicht alle Solo-Selbstständigen und löst nicht alle Probleme der Kultur- und Kreativwirtschaft.

183.383

aktiv Versicherte

Zum 01.01.2026 waren 183.383 Künstler:innen und Publizist:innen aktiv über die KSK versichert.

Quelle: KSK in Zahlen, Stand 2026

21.336 €

Ø Jahreseinkommen

Das durchschnittliche Jahreseinkommen der aktiv Versicherten lag zum 01.01.2026 bei 21.336 Euro.

Quelle: KSK in Zahlen, Stand 2026

50/30/20

Finanzierungsprinzip

Versicherte tragen etwa 50 %, Verwerter über die Künstlersozialabgabe 30 %, der Bund 20 %.

Quelle: KSK in Zahlen, Stand 2026

Sektion 7

Bayern ist stark. Aber Stärke ersetzt keine Politik.

Bayern ist ein starker Standort der Kultur- und Kreativwirtschaft. Genau deshalb darf die Branche nicht nur als Imagefaktor, Standortdeko oder Eventkulisse behandelt werden. Sie braucht Wirtschaftspolitik: faire Vergabe, bessere Daten, einfachere Förderzugänge, Räume, soziale Absicherung und ernsthafte Beteiligung.

Bayern

44,4 Mrd. € Umsatz

und circa 345.000 Erwerbstätige in der bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaft.

Quelle: Dritter Bayerischer Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht

Mittelfranken

Der Pilotstandort der Kampagne.

Die Kampagne startet als Pilot in Mittelfranken. Hier werden Erfahrungen gesammelt, politische Gespräche vorbereitet und konkrete Probleme aus der Praxis sichtbar gemacht.

Sektion 8

Aus Zahlen werden Aufgaben.

01

Selbstständige mitdenken

Gesetze und Reformen müssen prüfen, wie sie sich auf Solo-Selbstständige, Freiberufler:innen und kleine Unternehmen auswirken.

02

Faire Honorare und Zahlungsziele

Öffentliche Auftraggeber und große Institutionen müssen Vorbild bei fairen Zahlungsfristen, realistischen Honoraren und transparenten Vergaben sein.

03

Sozialversicherung realistisch gestalten

Beiträge, Mindestbemessungen und Absicherung müssen zur Realität schwankender Einkommen passen.

04

Bürokratie abbauen

Kleine Strukturen dürfen nicht mit Verwaltungslogiken belastet werden, die für große Organisationen geschrieben wurden.

05

Daten verbessern

Wer politische Entscheidungen trifft, braucht bessere Daten zu Solo-Selbstständigen, Freiberufler:innen und kreativen Kleinstunternehmen.

06

Wirtschaftspolitik erweitern

Kultur- und Kreativwirtschaft ist nicht nur Kulturpolitik. Sie gehört in Mittelstands-, Arbeitsmarkt-, Digital-, Innovations- und Standortpolitik.

Transparenz

Quellen und Datenstand

Diese Seite arbeitet mit öffentlich zugänglichen Daten und wird fortlaufend aktualisiert.

BMWE: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2024Destatis: 1,3 Millionen Erwerbstätige in Kulturberufen im Jahr 2024, Pressemitteilung vom 21.01.2026IfM Bonn: Selbstständige/Freie Berufe – Selbstständige in Deutschland, Ergebnisse 2024Destatis: Qualität der Arbeit – Selbstständige mit einem Auftraggeber, Datenstand 2024BMAS / DIW / infas: Untersuchung der sozialen Lage von Selbstständigen in DeutschlandBPEX / KEP-Studie 2025Bundesregierung: Paketboten-Schutzgesetz / Nachunternehmerhaftung in der PaketbrancheRat der Europäischen Union: Plattformarbeit – EU-Regeln zur Verbesserung der ArbeitsbedingungenBundesministerium für Gesundheit: Häusliche 24h-Betreuung durch SelbstständigeBMWE: Branchenfokus Freie BerufeIfM Bonn: Freiberufliche ExistenzgründungenKünstlersozialkasse: KSK in Zahlen, Stand 2026Bayerisches Landesportal / Bayerisches Wirtschaftsministerium: Dritter Bayerischer Kultur- und KreativwirtschaftsberichtKulturGilde: Kultur- und Kreativwirtschaft ist WirtschaftspolitikKulturGilde: Kampagne "Ich bin die Wirtschaft!", Konzeptstand März 2025
Datenstand:30. Juni 2026

Hinter jeder
Zahl steht eine
Erfahrung.

Statistiken zeigen die Größenordnung. Die Kampagne sammelt, was die Zahlen allein nicht zeigen: konkrete Erfahrungen aus der Praxis. Zahlungsziele. Bürokratie. Krankenkassenbeiträge. Altersvorsorge. Auftragslage. Räume. Sichtbarkeit. Vergabe. KSK. Scheinselbstständigkeit. Förderzugänge.

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