Gesundheitsreform darf Selbstständige nicht wieder übergehen
Wenn die Bundesregierung von rund 25 Euro Mehrbelastung spricht, erzählt das für viele Selbstständige nur die halbe Geschichte. Wer keinen Arbeitgeberanteil hat, zahlt den vollen Beitrag selbst.
300 €
geplante zusätzliche Anhebung der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze 2027
~25 €
politisch kommunizierte Mehrbelastung aus Arbeitnehmerperspektive
>60 €
mögliche Zusatzbelastung für freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige inkl. Pflegeversicherung
Statement
Solo-Selbstständige, Freiberufler:innen und kleine Unternehmen halten dieses Land jeden Tag mit am Laufen. Sie beraten, gestalten, pflegen, programmieren, schreiben, planen, organisieren, unterrichten, liefern, entwickeln, gründen und übernehmen Verantwortung. Sie sind Wirtschaft — nicht als Randnotiz, sondern jeden Tag ganz konkret.
Trotzdem werden sie in der Sozialpolitik viel zu oft nur mitgemeint.
Die geplante zusätzliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung zeigt genau dieses Problem. Was politisch als überschaubare Mehrbelastung dargestellt wird, trifft freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige deutlich härter als viele Angestellte. Denn Selbstständige haben keinen Arbeitgeber, der die Hälfte der Beiträge übernimmt. Sie zahlen den vollen Beitrag selbst.
Aus einer politisch kommunizierten Belastung von rund 25 Euro können für freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige schnell über 60 Euro im Monat werden.
Bei einer zusätzlichen Bemessungsgrundlage von 300 Euro entspricht das allein in der Krankenversicherung rechnerisch rund 52,50 Euro im Monat. Rechnet man die Pflegeversicherung hinzu, liegt die Zusatzbelastung bei rund 63 Euro im Monat, für kinderlose Versicherte sogar bei rund 65 Euro.
Das ist kein Detail im Kleingedruckten. Das ist ein strukturelles Problem.
Wer selbstständig arbeitet, hat nicht automatisch ein gleichmäßiges, planbares Monatseinkommen. Viele Solo-Selbstständige leben mit Projektgeschäft, Vorfinanzierung, Zahlungsausfällen, saisonalen Schwankungen und unregelmäßigen Einnahmen. Trotzdem werden Beiträge oft so erhoben, als wäre jeder Monat gleich, jedes Einkommen sicher und jede zusätzliche Belastung problemlos tragbar.
Eine stabile gesetzliche Krankenversicherung ist wichtig. Solidarität ist richtig. Aber Solidarität darf nicht bedeuten, dass Selbstständige immer dann voll zur Kasse gebeten werden, wenn Löcher in den Sozialkassen gestopft werden müssen — ohne ihre besondere Lage mitzudenken.
Deutschland braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Unternehmen gründen, Aufträge schaffen und wirtschaftliche Vielfalt sichern. Wer diese Menschen immer nur als Beitragszahler sieht, schwächt genau die wirtschaftliche Basis, auf die sich Politik so gerne beruft.
Denn wer Wirtschaft macht, darf in der Wirtschaftspolitik nicht länger nur mitgemeint sein.
Unsere Forderungen
01
Selbstständigen-Check bei Sozialreformen
02
Ehrliche Belastungskommunikation
03
Berücksichtigung schwankender Einkommen
04
Keine Reformen ohne Selbstständigenperspektive
Ich bin die Wirtschaft!
Die Kampagne für Solo-Selbstständige und Freiberufler:innen in Bayern. Erfahrungen teilen, Positionen stärken.
Erfahrung teilenFaktencheck für Mandatsbüros
Warum aus 25 Euro
über 60 Euro werden können
Die politisch kommunizierte Mehrbelastung bezieht sich auf die Perspektive von Arbeitnehmer:innen. Bei Angestellten wird der Krankenversicherungsbeitrag grundsätzlich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geteilt. Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige zahlen den Beitrag dagegen vollständig selbst.
Rechengrundlage: Allgemeiner KV-Beitragssatz 14,6 %, durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 %, Pflegeversicherungsbeitrag 3,6 % bzw. 4,2 % für kinderlose Versicherte. Die Beträge sind gerundete Näherungswerte auf Basis der genannten Sätze.
Politische Forderungen
Was jetzt
politisch nötig ist
Selbstständigen-Check bei Sozialreformen
Jede Reform der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung muss gesondert ausweisen, welche Belastungen für Solo-Selbstständige, Freiberufler:innen und kleine Unternehmen entstehen.
Ehrliche Belastungskommunikation
Wenn die Bundesregierung Mehrbelastungen nennt, muss sie getrennt darstellen: Arbeitnehmeranteil, Arbeitgeberanteil und volle Belastung für Selbstständige.
Berücksichtigung schwankender Einkommen
Beiträge für Selbstständige müssen stärker an realen, schwankenden Jahreseinkommen orientiert werden.
Keine Reformen ohne Selbstständigenperspektive
Selbstständige dürfen in Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik nicht nur mitgemeint werden.
Faktenbasiert
Quellen und Hintergrund
Die Kampagne argumentiert faktenbasiert. Alle Rechenangaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen.